2005-11-27 11:42:39

Holidays!

Ab nun konnten wir also zu zweit den Wiedrigkeiten des chinesischen Alltags trotzen. Das war auch sehr gut so, auf der Arbeit hatte ich naemlich neben einer super anspruchsvollen/ super nervigen Korrekturleseaufgabe einer technischen Uebersetzung (eine unendliche Geschichte sag ich euch...) auch langsam so richtige Praktikantenaufgaben, wie das allseitsbeliebte Ordnersortieren (das Kaffeekochen hatte ich ja, nicht ganz uneigenuetzigerweise, schon laenger perfektioniert). Also wie gesagt, auf der Arbeit war's gerade nicht wirklich so prickelnt. Aber das war kein Thema, da ja die erste Oktoberwoche sowieso frei war - yeah, die Parteifutzis wissen, wie man sich gebuehrend selbst feiert. Der ganze Spass hatte nur (da landesweite Feiertage/-woche) den Haken, dass unglaubliche Menschenmassen unterwegs zu den beliebtesten Reisezielen war - mmmh, auch so ne Art "Massenbewegung" ;). Wir entschlossen uns also lieber in Beijing zu bleiben - hier hatten wir ja auch noch einiges auf der Liste abzuhaken ("Wie ihr lebt ihr schon laenger und habt die verbotene Stadt noch nicht von innen gesehen?!"). Es ging also, neben dem "Chill-out" in verschiedenen Parks, am Montag in den Sommerpalast, die Location hatten sich aber auch noch so ein "paar" andere Chinese ausgesucht - auf dem Heinerfest ist ziemlich leer dagegen (zumindest bis wir uns von der Verfolgergruppe in den Bergen abgesetzt hatten). Am Mittwoch (5.10.) ging's dann zum "Ethincs minorities park" (auf einem Strassenschild faelschlicher- und lustigerweise als "Rasist Park" uebersetzt). In dem wurden auf jeden Fall die 52 Minderheiten Chinas (die auch alle noch ihre eigene Sprache und Trachten haben) "ausgestellt". Die sind ja hier superstolz auf ihre kulturelle Vielfalt und die Toleranz mit der die eigene Identitaet dieser Volksgruppen unterstuetzt wird (solange sie sich als Teil vom schoenen grossen China bleiben wollen - versteht sich von selbst). Fuer uns hatte die ganze Show zumindest den Vorteil, dass wir leichtglaeubigen Naturen nun durchaus weismachen koennten doch noch viel mehr in China umhergekommen zu sein, obwohl wir fuer die ganzen coolen Bilder Beijing nie verlassen haben. Den verregneten (!-da es hier sowieso sehr selten regnet) Donnerstag nutzen wir dann zum Shoppen im "Silk Market", wo Maike mir und den chinesischen Verkaeuferinnen uebrigens auch nochmal eine Lektion im Feilschen erteilte (Preise sind in so Laeden ja grundsetzlich frei zu verhandeln). An einem Stand haben die Maike, ungelogen, noch 50m weiter (nachdem wir schon gegangen waren, weil der Preis "nicht aktzptabel" war) am Arm zurueck zu sich gezogen, um ihr den von ihr genannten Preis zu geben! Am Freitag wurde dann nurnoch der wunderschoen Beihai Park "abhakt" - freut euch auf die Fotos. Dann war diese wunderschoene Urlaubswoche leider auch schon wieder so gut wie vorbei...



2005-10-13 08:56:51

3 Chinesen und ein Jani-Bass

In meiner -nun nichtmehr ganz so- neuen Wohnung ueberwand ich dann auch irgendwann die Startschwierigkeiten. Und selbst an die Tatsache, dass man um die Duschtemperatur einzustellen ueber den Flur in die Kueche muss (da ist das einzige Ventil dafuer), kommt mir jetzt schon fast normal vor. Koennte allerdings auch daran liegen, dass die Maike jetzt schon mit mir die Abenteuer des Alltags bestreitet... Aber HALT, bevor sie naemlich hier ankam wurde ich von meiner Arbeit aus noch auf ein ziemlich interessante Schulung geschickt (Digsilents "Powerfactory"). Sehr spassig - der Hauptentwickler hoechst persoenlich (ein hoechstsympathischer Etech Dr. aus Deutschland) hat die Schulung geleitet. Ausser mir waren nur chinesische Master-Studenten anwesend. Das war allerdings kein Wunder, an einem chinesischem Forschungsinstitut. Das Level war aber, wie ihr vielleicht schon rausgehoert habt, schon fast ein bisschen zu krass fuer mich - haette wohl doch nicht gleich in den Fortgeschrittenenkurs einsteigen sollen ;) So hab ich mich am 2ten Tag in die Ecke verkruemelt, das Tutorial durchgearbeitet und mich darueber gefreut, dass ich bei Problemen und Fragen gleich massenweise Experten in der Naehe hatte. Sehr cool war ausserdem, dass die Chinesen mich auch dort superfreundlich aufgenommen haben und den Schulungsleiter und mich am Wochendende gleich mal auf einen Kneipenabend (inkl. extra frischen -noch lebendigen - Schrimps) und zu einem Abschiedsessen einluden. Nach der Schulung ging's natuerlich gleich wieder ins Buero, wo auch noch interessante Arbeit auf mich wartete. Es galt noch mehr Infos zu meinem "externe Kosten bei Stromerzeugung mit Kohlekraftwerken"-Projekt zusammenzusuchen (uiuiui gibt's dazu allein in Deutschland viel)... Ausserdem sollte ich dann noch einen technischen Text, der von chinesisch in englisch uebersetzt wurde probelesen - nicht nur sehr herausfordernd, sondern auch noch SEHR langwierig :(... Die Abende wurde es mir in meiner Wohnung doch etwas einsam, daher bin ich da meistens wieder in die Jugendherberge, um mein Bier nicht alleine trinken zu muessen (schnueff). Aber am 21. September war es damit ja auch endlich vorbei - meine Maike ist an diesem Tag (verdammt)frueh morgens in Beijing gelandet!



2005-09-30 12:13:53

Back 2 normal?!...

Ab dem 2. September war ich also wieder in Beijing unterwegs. Nach Projektabschlussgespraech und Austausch von projektrelevanten Dateien (man koennt auch einfach "Bilder" sagen ;) ), schnappten wir uns abends in der Jugendherberg noch ein paar Feierwuetige Gesellen (von denen dort massenweise rumhaengen) und liessen es zum Projektabschluss mal krachen. Christian musst am naechsten Tag seinen Flieger erwischen und ich haette seinen Abschied fast verpennt - soviel dazu... Die naechsten Tage waren dann dafuer eher geruhsam. Ausserdem musste ich mich mal langsam um meine Wohnung kuemmern, wollte ja nicht - wie die anderen Loser ;) - Dauergast in der Jugendherberge werden... Dazu besuchte ich gleich am Wochenende noch ne coole Wohnung und hatte einen Riesenspass mit der Maklerin, die wohl noch weniger Englisch, als ich Chinesisch konnte - LOL. Das Scheissding war aber eh viel zu teuer und ich war etwas verzweifelt, bis zum naechsten Tag, an dem ich ueber krasse GTZ-Connection doch noch an eine gute UND guenstige Wohnung gekommen bin. Eine ehemalige Praktikantin war naemlich genau zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem Nachmieter - hat auf jeden Fall prima gepasst! Ging dann echt recht fix mitm Umzug, war ja auch schon alles moebeliert. Allerdings suchte ich so Kleinigkeiten, wie Bettwaesche, Kissen und Buegeleisen vergeblich (mmmmmmh - die erste Nacht war sehr luschtig). Immerhin hatte ich mit dieser Wohnung auch meine eigene Waschmaschine und - was noch viel wichtiger war - EIGENE Waescheleine erstanden! Der fleissig angesammelte Dreckwaescheberg konnte also endlich mal abgearbeitet werden... Dazu musste ich auch nur 2 Stunden voller Sorge in der Naehe der Waschmaschine verbringen, da diese mich schon bei der Probeinbetriebnahme mit einer Wasserfontaine begruesste. Soweit erstmal zu den Abenteuern des stolzen Neuwohnungsmieter!



2005-09-14 11:37:11

To boldly go where no European has gone before...

Und es war zu toppen! Am 22. Aug. ging es weiter ins tibetische Nomadenland immer weiter und weiter in die Berge und Hochebenen hinein. Zwischen nebelverhangenen Schluchten und buddistischen Tempeln zeigte sich auch noch das ein oder andere lustige Bild - z.B. ein Nomadenzelt mit dicker Solaranlage dran (die Satellitenschuessel war wohl auf der Rueckseite). Alles in allem eine prima Vorbereitung fuer unseren Einsatz im 2ten Dorf, der am 23. Aug. nach einer abenteuerlichen Fahrt (in der sich unsere Jeeps wirklich bewaehrten) losging. Nach der besagten 2stuendigen Fahrt auf einer Strasse (ob sie diesen Namen wirklich verdient hat?!) knapp ueber einem reissendem kamen wir also in unserem Nomadendorf an. Interessante Sache - wirklich am Arsch der Waldfee auf ca. 3500 Meter an einer Klippe ueberhalb des gelben Flusses und eines seiner Zufluesse gelegen. Wir hatten den Eindruck, dass sich hier die Indianer aus Amerika hin verzogen haetten - alle waren auf Pferden unterwegs (bietet sich bei der Gegend auch an), sahen so aus und hatten natuerlich auch eine total andere Sprache, als die Chinesen. Ich kam mir, dank deren Klamotten, ausserdem vor, als waer ich auf einem riesigem Maskenball, dann sind noch im ganzen Dorf die Yaks frei rumgerannt - aber das war's dann auch schon an Besonderheiten ;) Das lustigste war aber, dass die uns alle angeschaut haben, als waeren wir aus dem Zoo entlaufen - wenn die wuessten LOL... Da unsere Interviewer auch gleich wieder auf Achse waren und ich ja die ausdrueckliche Aufgabe hatte die Situation vor Ort und die Lage des Dorf zu dokumentieren, konnte ich mir in Ruhe alles anschauen. War schon alles sehr beeindruckend, leider hatten wir in diesem Dorf nur 2 Tage, da am Ende des 2ten Tages ein fettes Unwetter aufzog und laengerer Regen die Zufahrtsstrasse zu gefaehrlich zum Passieren macht. Wir hatten uns aber auch schon ueberlegt, dass man da auch gut mal wieder mit mehr Leuten hin kann und das mit mehrtaegigen Reitausfluegen und Kanufahrten auf dem wilden Fluss verbinden koennte. Ich komme also wieder und nehm euch mit wenn ihr wollt!



2005-09-06 10:57:44

Bluehende Landschaften in der Wueste...

Am naechsten Tag ging es nun also endlich los zum Einsatz an der Soziologenfront ;). Um auch wirklich genug Zeit zu haben ging es echt frueh los (7 Uhr war allerdings das frueheste, was ohne Meuterei aushandelbar war). 2 Std. Fahrt durch die Wueste (na okay vielleicht gerade noch Steppe...) hatten wir hinter uns zu bringen, bis wir im "East Acricultural Village" ankamen. Das Dorf ist glaub ich uebrigens fuer den orginellesten Stadtnamen ausgezeichnet worden (LOL). Sobald wir ankamen sind unsere Interviewer ausgeschwaermt, um sich die Dorfbevoelkerung vorzunehmen. Gleichzeitig nahm sich unser "Tagteam", Obersoziologe (jaja ich weiss - eigentlich interkultureller Paedagoge) Christian, unser Chieftranslator Tsultrim und Kameraman Jan (ich - ihr Debbe), die Endgegner/Village Chief und Party secretary vor. Waehrend die Leute am interviewen waren ergab sich fuer mich auch noch die Moeglichkeit bisschen im Dorf umherzuwandern und Eindruecke in Fotos zu verewigen. Passenderweise war gerade Erntezeit, was die ganze Atmosphere sehr idylisch machte (kenn ihr die chinesischen Propagandecomics mit den laechelnden Landarbeitern - genau so waren die da drauf!). Gleichzeitig sorgte es aber auch dazu, dass unsere Interviewer vor die Herausforderung gestellt wurden, die Leute direkt an ihrer Arbeit zum Interview aufzusuchen. Naja, das ergab auf jeden Fall guten Kamerastoff (hehe). Aber jetzt noch mal zu dem Dorf - ist echt der Hammer, dass die das Ding mitten in die Wueste (ja stimmt immernoch Fast-Steppe) gepflanzt haben und durch unzaehlige Bewaesserungskanaele begruenten. Hier spuert man echt sowas wie Pioniergeist und die Leute schaffen sich trotzdem nicht wirklich kaputt. Allerdings freuen sie sich auch schon alle total auf die Solaranlage, die gebaut wird, dass sie auch mal Fernsehen koennen oder abends nicht immer gleich im Dunklen sitzten muessen... In dem Dorf verbrachten wir zwei coole aber arbeitsintensive Tage (wenn ich mal nicht "dokumentiert" habe, hab ich mich ans Karten zeichnen gemacht). Bis es dann auch schon wieder weiterging. Zu vor muss ich euch aber noch auf jeden Fall von den supernetten Dorfbewohnern erzaehlen, die sich auch erfreulicherweise jedes Mal zu freuen schienen, wenn man sie fotografiert hat. Das fuehrte dazu, dass sie sich geradezu in Pose warfen, wenn man die Kamera gezueckt hat. Ausserdem hatte ich (wahrscheinlich auch dank meiner fuer das Dorf eher ungewoehnlichen Kleidung - ich sage nur "Funktionswaesche") irgendwann eine ganze Traube Kids um mich rum, die unbedingt Bilder mit mir wollten und mich quasi als "Reisefuehrer" durchs Dorf begleiteten. Schade nur, dass ich so gut wie nichts von dem verstehen konnte, was sie mir erzaehlt haben, was sie natuerlich nicht davon abhielt mich weiterhin vollzuquatschen - sehr lustig! Wir waren also gespannt, ob das nicht zu toppen waere...



2005-08-30 17:32:42

Chinease Roadmovie...

am 18. August ging es also dann richtig los. Am Morgen wurden wir erstmal mit dem Jeep (!) vor unserem Hotel abgeholt. Den Rest des Tages verbrachten wir fahren in eben diesem. Es ging erstmal ab in die Berge (ob ihr's glaubt oder nicht - bei unserem Startpunkt auf 2200m sieht's flacher aus, als in Darmstadt). Es ging vorbei an buddistischen Kloestern (von denen sollten wir noch einige mehr sehen) und vorbei am groessten See Chinas. Den koennte man ruhigen Gewissens als Meer bezeichnen (und nicht nur, weil er Salzwasser enthaelt!). Passenderweise machten wir an dem auch unserer Mittagspause. Stilecht gings dabei zur Einkehr in ein Nomadenzelt, in dem wir einen Vorgeschmack auf die Verpflegung der kommenden Tage erhielten (Riesenplatte mit Hammelfleischstuecken und dazu rohe Knoblauchzehen - war ein fetter Spass mit den Fingern zu essen!). Danach ging's weiter ueber Stock und Stein und natuerlich durch die unglaublichsten Landschaften (von Irland bis Teneriffa war fuer jeden Geschmack was dabei)! Besonders der Himmel war unglaublich weit und hoch (hoert sich jetzt vielleicht komisch an - muesst ihr euch halt mal selber anschauen ;) ). Einige lustige Viecher (z.B. Mischung zwischen Wuestenmaus und Hase) haben wir dank unseren naturverbundenen Interviewern auch noch bestaunen duerfen. Auf einem spontanen Verdauungsspaziergang haben die uns naemlich auf das Viechzeug hingewiesen und ausserdem in regelmaessigen Abstaenden irgendwelche essbaren Straeucher angekarrt. War auf jeden Fall ein sehr eindrucksvoller Tag, der mit der Ankunft in Dulan County (wo wir dann jetzt mit Sicherheit die einzigen Europaer waren) abgerundet wurde. Morgen geht es dann durch die Wueste zu "unserem" ersten Dorf!



2005-08-25 17:03:09

Out of the dark, into the light...

am Abend des 15. August lies ich das heisse und, dank Taifun, in dichten Regen gehuellte Beijing hinter mir - das hatte da mit seinen unwirklichen Wolkenkratzern vor duesterem Himmel echt was von Bladrunner oder Matrix. Schon in meiner 2ten Praktikumswoche ging's zu Vorbereitung unseres "Field trip" nach Xining. Auf dieser Mission begleitete ich einen recht sympatischen Soziologen (Christian Z.), der von der GTZ beauftragt wurde in ihren Zielgebieten die Sozialvertraeglichkeit der zu installierenden RE-Anlagen zu untersuchen. Hierzu sollten wir uns und in Xining mit dem lokalem Experten (unser tibetischer Uebersetzer und absolut krasses Multitalent) und 3 Interviewern in spe treffen, um die fuer den kommenden Einsatz auszubilden (das war allerdings nur Christians Job ;) ). Meiner war den ganzen Trip zu dokumentiern - also quasi den Kameramann zu machen, Eindruecke zu sammeln und Christian sonstwie zu unterstuetzen. Das hab ich dann auch gemacht indem ich die Einkaeufe fuer die Expedition erledigte (z.B. Geschenke fuer die Dorfaeltesten). Aber dazu noch spaeter erstmal noch zu der Ueberschrift die sich mit der Ankunft und den ersten Eindruecken in Xining begruendet. Was fuer eine coole Stadt! Erstmal ist die Luft hier trotz knapp 3 Mio. Einwohner soooo klar (das koennte allerdings auch an den 2200 Hoehenmetern liegen ;) ). Wir wurden am ersten Tag jedenfalls erstmal mit strahlend blauem Himmel begruesst. Passenderweise hatten wir unsere Hotelsuite im 11. Stock direkt am Stadtpark, in dem den ganzen Tag typisch chinesische Floetenmusik gespielt wird und die Leute am Tanzen sind - sehr lustiges Bild, wenn min. 50 Chinesen morgens gleichzeitig da ihren "Linedance" auffuehren. Um das ganze noch abzurunden wird auch in diesem Park dem urchinesischen Hobby des Drachensteigenlassens gefroehnt. Also ihr hoert schon raus - diese Stadt ist eben noch eine "echt" chinesische Stadt. Auch die tibetischen Einfluesse (ueber ein Drittel der Bevoelkerung sind Tibeter) machen das ganze eher noch interessanter. Jetzt hoer ich aber mal wieder auf - so richtig hab ich Beijing im Vergleich ja auch noch keine Chance gegeben ;). Dort war es ausserdem noch wesentlich einfacher mit Englisch klar zu kommen, was in Xining einen kaum weiterbringt. Aber dank meinem super Uebersetzerteil und etwas Zeichenkuensten (Montagsmaler laesst gruessen) haben wir im Restaurant nicht nur einige Lacher, sonder auch gutes Essen zu spottbilligen Preisen erlangt. Nachdem Christian "seine" Leute mit Hilfe unseres tibetischen Specialchiefmasters gut vorbereitet hatte und ich von der Abenteuerlust gepackt meine Einkaeufe auf dem Markt erledigt hatte, sollte es dann am Donnerstag (18. Aug) auf in die Provinz gehen.



2005-08-15 03:00:20

Working, working, working...

Ach ja, falls das in den letzten Berichten nicht so klar geworden sein sollte - ich bin uebrigens nicht zum Urlaub hier ;). Das wurde mir die letzte Woche auch ziemlich klar. Montags ging's echt noch recht locker los. Nachdem ich mit meinem Chef lange fruehstuecken war (und er mir dabei unglaublich viel ueber die GTZ und die Arbeit hier erzaehlt hat), bekam ich meinen Arbeitsplatz zugewiesen. Danach sollte ich mich erstmal in alle moeglichen Unterlagen einlesen und mich fuer den kommende "Einsatz im Feld" (ab dem 16. Aug. geht's fuer 3 Wochen aufs Land, um vor Ort den Einsatz kuenftiger Anlagen zu planen) vorzubereiten - das wird so cool. Gleich am naechsten Tag dann bekam ich noch eine zusaetzliche Aufgabe zugewiesen - ich sollte fuer unsere chinesischen Partner Kostenvergleiche zur Energieerzeugung mit Kohle und Solar finden. Bei den herkoemmlichen Rechnungen schneidet die Kohle dabei als viel billiger ab. Allerdings sind dabei normalerweis auch nicht die Folgekosten durch die entstanden Umweltschaeden (Ernteminderung, Gesundheitsschaeden, etc.) miteingerechnet. Da das Thema auch sehr in meinem Interesse ist machte ich mich natuerlich gleich dran alle moeglichen Kontakte zu mobilisieren, um mich mit Informationen zu versorgen. Vielen Dank an dieser Stelle noch an alle Leute aus Deutschland, die so schnell auf meine Anfrage reagiert haben! Trotz der vielen Hilfe war es schwerer, als erwartet, die entsprechenden Infos zu bekommen. Daher war ich dann fast den ganzen Tag mit "googlen" und am naechsten Tag auch noch mit Telefonieren beschaeftigt (lustig hierbei natuerlich die Zeitverschiebung von 6 Stunden, die dafuer sorgte, dass ich erst wirklich um 15 Uhr nachmittags mit dem Rumtelefonieren anfangen konnte...). Bei der Suche stiess ich auf jeden Fall noch auf ein ziemlich cooles Programm, mit dem sich alle moeglichen Umweltscenarien berechnen lassen (GEMIS). Das wurde ironischerweise vom Oekoinstitut der Wissenschafts(!)stadt Darmstadt entwickelt. Naja so konnte ich diese Aufgabe auf jeden Fall noch nutzen, um mir solche Programmier-skills zusaetzlich anzueignen. Meine Abgabezeit wurde dann noch bis heute (Montag) verlaengert, was allerdings den Nachteil hatte, dass ich dadurch (um meine Sache eben moeglichst gut zu machen) ewig lange dran gesessen habe und auch noch Extrazeit am Samstag investierte - uiuiui wenn das meine Gewerkschaftskollegen jetzt lesen. So koennt ihr euch auf jeden Fall vorstellen, dass neben der Arbeit fuer Beijing nicht mehr wirklich viel Zeit war. Bis auf Samstag Abend, wo wir es mit einer Riesengruppe aus der Jugendherberge haben krachen lassen! Und den Sonntag hab ich dann mal genutzt um ein paar super guenstige (bestimmt kopierte) DVDs zu kaufen und zum Friseur zu gehen - Kopfmassage inkl. (sehr geil). Soweit erstmal - der naechste Bericht dann aus der "wilden" Provinz Qinghai...



2005-08-13 07:31:59

Hoellischer Laerm und himmlischer Frieden...

Der zweite Tag und ich machte mich natuerlich wieder auf, um meine Umgebung zu erkunden. Als ruheverwoehnter Mitteleuropaeer viel mir beim Umherschlendern erstmal der krasse Strassenlaerm auf - ich vermute ja, die Taxen benutzen die Hupe so oft, um sich gegenseitig zu verstaendigen (Spurwechsel = Hupen, ich will vorbei = Hupen, wollen wir spaeter essen gehen = Hupen?!, und so weiter...). Dazu sei noch gesagt, dass (wenn ich das richtig verstanden habe) bei den Chinesen Laerm nichts negatives ist, denn wo Laerm ist, da ist Leben - daher koennen die wohl auch ueberall schlafen... Nachdem ich dann also eine ganze Weile gelaufen bin - auf der Karte sah das irgendwie viel naeher aus - kam ich zum "Arbeiter-Stadion". Krasses Teil, in dem 2008 auch die olympischen Fussballspiele stattfinden sollen. Interessant auch noch, das sollte jetzt die Fussballfans unter meinen Lesern freuen ;), direkt im Stadionbau ist unter anderem eine Jugendherberge! Die waerde ich mir spaeter vielleicht nochmal von innen anschauen. Danach ging meine Reise weiter durch die Strassen von Beijing. Dabei fiel mir mal wieder so manche Kuriositaet ins Auge - wenn der Verkaufsstand von Strassenhaendlern nicht mehr aufs Fahrrad (!) passt, gibt's das ganze halt auch mal als Pferdewagen. Todesmutig und Taschendieben trotzend warf ich mich spaeter ins Gedraenge eines chinesischen Gemuesemarkts, den ich beim Vorbeigehen entdeckt hatte. Hier war ich dann auch der einzige Europaeer und hatte einen Riesenspass - nur etwas zu kaufen, das hab ich mich noch nicht getraut. Die meisten Dinge konnte ich nicht indendifizieren und ich war bisher trotz Essensumstellung gluecklicherweise von Durchfall noch verschont geblieben. Irgendwann kam ich dann aber doch an meinem eigentlichen Tagesziel, dem "Ritan-Park" an. Dies ist einer der aeltesten und schoensten Parks, der frueher zu Ehren und Anbetung eines Sonnengottes gebaut wurde. Zwar musste man Eintritt zahlen (umgerechnet 10 Cent!), dafuer gab's dann aber auch noch ein kostenloses Freiluft Fitnessstudio zu benutzen. Sehr lustige Sache, gibt fast alle Geraete, wie im normalen Fitnessstudio, allerdings hebt man fast immer nur sein eigenes Gewicht. Von diesen coolen Einrichtungen gibt es uebrigens ueber ganz Beijing verteilt ewig viele zur kostenlosen Benutzung - eben ganz im Sinne der "Volksgesundheit". Der Park war aber auf jeden Fall super schoen und erfuellte alle Clichees (inkl. Tai-Chi-Meister und chinesischem Floetenspieler). Auf dem Rueckweg hab ich mich dann zu einer Rikschafahrt ueberreden lassen, die zweifach aergerlich war - zum ersten hab ich einen viel zu hohen Preis gezahlt, weil ich mit dem Geld noch nicht so vertraut war (wobei 2Euro immernoch verschmerzlich sind) und zum zweiten hat der Kerl nicht gerafft, wo ich hin wollte sonder ist einfach mal drauf losgefahren, bis ich dann irgendwann gesagt hab - "Lass gut sein Kollege" und ausgestiegen bin. Dadurch bin ich allerdings noch durch ein krasses Hinterhofgetto gekommen, wo es auch einiges zu kaufen gab - davon hab ich allerdings keine Bilder (sonst haette ich jetzt evtl. zwei Kameras ;) ). Wieder im Bedienstetenblock des Hotels (=Jugendherberge) hab ich mir dann zur Entspannung noch ne Runde Schwimmbad gegoennt - ist ja gleich im Hotel neben der Jugendherberge. Das Becken selber war verdammt klein, die Show drum rum dafuer echt riesig... Erstmal wird man nach dem Bezahlen vom Bademeister oder so abgeholt und zum Umziehen geleitet. Handtuecher bekommt man (selbstverstaendlich) vom Haus und auch Duschzeug und Shampoo ist schon in der Dusche. Nach dem Umziehen wird man zur Dusche gebracht - das der Kerl nicht noch mit reinkam, um mich einzuseifen hat mich schon fast verwundert ;). Nach dem Baden der gleiche Spass nochmal, ausserdem wollte er mir dann noch ne Massage aufschwatzen, die allerdings fuer "westliche" Preise - was mir echt zu viel war. Abends bin ich dann mal wieder im Einkaufszentrum um die Ecke Essen gegangen - super lecker und guenstig, aber kaum ein Unterschied, zu unserm "Chinesen" (ausser, dass es ne lustige Sojasprossenkaltschale zum Trinken dazu gab). Danach ging's dann mit einem etwas flauen Gefuehl im Magen ins Bett - am kommenden Tag war mein erster Arbeitstag.



2005-08-09 03:21:08

Das Abenteuer hat begonnen...

Abenteuerlich war der Flug nach Beijing jetzt nicht unbedingt, bis auf ein paar krasse Turbulenzen, die aber beim Ueberflug von Sibirien normal waeren. Spaetestens nachdem ich die nervigen Einreiseformalitaeten (min. 10000 Formulare ausfuellen, in denen meistens das gleiche steht ;) ) hinter mir hatte wurde mir klar, dass es jetzt losgeht. Am Ausgang des Flughafens hatte ich naemlich ein Spiessrutenlauf durch Taxifahrer vor mir, die mir allesamt mein Gepaeck entreisen wollten, um mich in ihr Taxi zu geleiten. Zum Glueck war ich vorgewarnt und hab mich nicht auf dieses kostspielige Unterfangen eingelassen (die "offiziellen" und damit preiswerten Taxifahrer machen das naemlich nicht). Die meisten waren mit einem "bu yao" (= I mog net) abzuwehren, einige danach dann allerdings geradezu beleidigt, da sie mir versicherten auch ein Taxameter zu haben (ob sie's dann auch einschalten und ich deren Zahlen lesen kann sagten sie allerdings nicht...) Irgendwann hatte ich dann also mein Taxi zugewiesen bekommen und nahm neben dem Fahrer Platz, der uebrigens in einer Art Kaefig (wahrscheinlich um sich vor wuehtenden Fahrgaesten zu schuetzen) sass. Da schon die naechste Herausforderung - der Kollege sprach schlechter Englisch, als ich Chinesisch! Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, mich vollzutexten. Nach meinem ersten Panikanfall hab ich dann aber einfach meinen tollen Sprachcomputer rausgepackt und den meine Standartsaetze aufsagen lassen, was die Stimmung im Taxi doch entscheident gehoben hat. Jetzt nur noch ein paar lustige Eindruecke vom ersten Tag: Es war hier verdammt heiss (um die 30 Grad) und bestimmt auch Sonnig, wegen der Dunstschicht machte ich mir darueber allerdings keine Gedanken. Die Chinesen helfen sich dagegen aber mit Regenschirmen - sehr lustiger Anblick bei Sonnenschein Leute so rumlaufen zu sehen... Die Luft hat mich am Anfang sehr an die in einer Fabrikhalle erinnert (wie beim Schenckekall!) - kommt wahrscheinlich auch daher, dass hier ueberall gebaut wird. In den Seitenstrassen, fernab von den Monsterringstrassen (7(!)-spurig in eine Richtung dank Stadtautobahn in der Mitte und Busspur aussen), ist allerdings richtig schoen - unheimlich viele Zikaden hoert man und Libellen sieht man. Eine lustige ABM der Chinesen ist mir noch aufgefallen - die haben hier fuer alles Moegliche jemand, der das macht. So gibt es in unserer 8stoeckigen Jugendherberge keine Zimmerschluessel! Immer wenn man rein will sagt man das an der Rezeption und dann rufen die ganz cheffig mit dem Funkgeraet ihre Bediensteten dahin... Zum Abschluss des Tages gab's jetzt noch ein Ananasbier aus dem Supermarkt um die Ecke (schmeck uebrigens wie Limo - waer doch was fuer die naechste Beach-Party!) und das war's fuer heute!



2005-08-09 02:41:52

Nur ein paar Worte...

Ein großes "Danke schön" will ich an dieser Stelle loswerden, für all die Menschen, die mich in der letzten Zeit so unterstützt haben oder mir auch einfach nur die Zeit gaben, die ich brauchte. Sehr nett war am letzten Sonntag auch noch meine Abschiedsfeier, auch wenn ich noch viel zu viele Sachen im Kopf hatte, um die den Abend mit euch allen richtig zu genießen - schade eigentlich aber das können wir ja nachholen, wenn ich wieder da bin. Jetzt wird aber erst noch einmal gut (?) geschlafen, bevor morgen das große Abenteuer im Reich der Mitte losgeht...